ORGELBAU MICHEL
Elektronische Kirchen- und Konzertorgeln

Besondere Kennzeichen unserer Orgeln

A) Tonerzeugung

Unsere Orgeln besitzen eine echte Tonerzeugung (keine gespeicherten Klänge). Dies setzt uns (nach dem derzeitigem Stand der Technik) in die Lage, Individualstimmen (wie bei einem Chor, oder einem Orchester) mit erträglichem Aufwand aufzubauen. Wie wichtig dies für die Klangfülle ist, möge das bekannte Beispiel zeigen, in dem 20 Geiger, die einen bestimmten Ton spielen, mit einem Geiger verglichen werden, dessen Lautstärke auf die der 20 gebracht wird. Das Resultat ergibt im ersten Fall eine angenehme Klangfülle, da viele Gehörnerven schwach erregt werden, während bei dem einen Geiger wenige Gehörnerven stark erregt werden. Dies merkt man oft am Anfang nicht, bis dann später der Klang als steril und aufdringlich empfunden wird.

B) Abstrahlung der Klänge
Ebenso wichtig wie die unter A) beschriebenen individuellen Klänge ist eine differenzierte Abstrahlung der Klänge mit additiver Zusammenfassung. Zum Verständnis auch hier ein Beispiel:
10 Klänge mit dem Pegel 1 über einen Kanal abgestrahlt, ergeben in bestimmten Momenten den Pegel 10 und damit nach dem Ohm´schen Gesetz die 100-fache Leistung. Dieselben 10 Klänge über 10 Kanäle abgestrahlt, ergeben eine abgestrahlte Leistung von 10, die sich im Raum noch auf etwa 2 verringert. Dieser Effekt ist ja bekannt bei einem Chor oder einem Orchester, wo beispielsweise eine Verzehnfachung der Stimmen nur eine geringe Erhöhung der Lautstärke ergibt. Wichtig ist auch die Wahrnehmbarkeit: Jeder Abstrahlungskanal hat ja eine eigene Reflexionskonfiguration im Raum. Deshalb ist auch nur bei differenzierter Abstrahlung die bei der Pfeifenorgel so typische Raumwanderung der Klänge möglich (lebendiges Klangbild).
Bei unseren Orgeln wird grundsätzlich jedes Register über einen eigenen Kanal abgestrahlt. Damit ergibt sich eine Raumwanderung wie bei den mechanischen Instrumenten und die einzelnen Registerklänge bleiben unterscheidbar.

C) Tastung
Die Tastung der Manuale erfolgt bei unseren Kirchenorgeln kontaktlos; es stehen 2 Lösungen zur Verfügung:
1. Magnetische Tastung über einen Ringkern der als Übertrager für eine höhere Frequenz dient, die - gleichgerichtet - die Tonventile steuert. Dabei wird im gesperrten Zustand der Magnetfluß durch einen mit der jeweiligen Taste verbundenen Magneten gesättigt und somit die Übertragung unterbrochen.
2. Die Tastung erfolgt über Lichtschranken: Ein Fototransistor wird von einer Leuchtdiode ausgesteuert; zwischen dieser und dem Fototransistor befindet sich die mit der Taste verbundene Blende.

In den Pedalen verwenden wir sogenannte Reed-Kontakte, das sind im Glaskörper eingeschlossene und im Schutzgas arbeitende Kontakte, die von außen durch einen mit der Pedaltaste verbundenen Magneten betätigt werden. Solche Kontakte haben sich in den Telefonvermittlungsämtern bestens bewährt.

Bei all diesen Ausführungen werden Störungen durch verschmutzte und / oder korridierte Kontakte verhindert, die sich bei den niedrigen Steuerströmen von etwa 1 mA leicht einstellen können.

Ausschluß von Störungen bei der Übertragung der Tonsignale:
Bei den üblichen elektronischen Orgeln werden, um die Signale von den 60 Tastkontakten zur Elektronik mit wenigen Leitungen übertragen zu können , die Tastspannungen vor der Übertragung codiert und an der Elektronik decodiert.
Diese Art beinhaltet sowohl im Codierer, als auch im Decodierer die Möglichkeit von Störungen, wobei das Fatale darin besteht, daß im Störungsfall die ganze Tastung ausfällt.
Bei einer anderen Möglichkeit, die ebenfalls in elektronischen Orgeln oft angewendet ist, werden die Tastkontakte im beispielsweise 100 kHz-Zyklus abgetastet, wobei derselbe Generator in der Elektronik die Tastung steuert. Die Änderung im Zeitpunkt des Schließens des Tastkontaktes dient als Kriterium für die in der Elektronik nachfolgende Tastung. Es liegt auf Hand, daß auch hier bei einer Störung das ganze Manual ausfallt.
Alle diese Störungsmöglichkeiten, die zum Ausfall des jeweiligen Manuals führen, sind in unseren Orgeln nicht möglich, da wir die Tastinformation mit einen 60-fachen Kabelbaum übertragen.

D) Übersichtlichkeit
Unsere Orgeln sind im Prinzip aufgebaut wie eine Tonkanzellen- Pfeifenorgel. Dieser Aufbau ist bekanntlich dadurch gekennzeichnet, daß über ein mit der Taste verbundenes Ventil Luft in einen Kanal, die sogenannte Tonkanzelle, gelangt, auf der alle Pfeifen ,die dieser Taste zugeordnet sind, stehen. Welche dieser Pfeifen aus der Tonkanzelle mit Luft beschickt werden, regelt eine mit Löchern versehene Leiste, die sogenannte Schleife, die quer zur Richtung der Tonkanzelle angeordnet ist und bei eingeschaltetem Register den Luftstrom von der Kanzelle zur Pfeife freigibt.
Nicht anders sind unsere Orgeln aufgebaut:
Die kontaktlos (oder bei den Portativen über Kontakt) freigegebene Tastspannung steuert die in einer Linie dieser Taste zugeordneten Tonventile, über welche die Tonschwingungen auf die Registerleitungen gelangen, die wiederum quer zu der Linie der Tonventile angeordnet sind. Wird ein Register eingeschaltet, so wird diese Registerleitung mit dem zugehörigen Verstärker usw. verbunden.
Im Gegensatz zu sonst üblichen Aufbauten von elektronischen Orgeln, bei denen der Funktionsablauf durch die Integration der Bauteile nicht mehr erkennbar ist, kann hier, wie bei den Pfeifenorgeln eine etwaige Störung am Schnittpunkt der Tast- und der Registerlinie sofort geortet werden.
Ähnlich ist die Tonerzeugung aufgebaut; der nach Halbton und Oktave feststellbare Funktionsteil beschränkt sich auf wenige Bauteile.
Unterstützt wird das Verständnis durch sachgerechte und ausführliche technische Unterlagen, die es auch einem fremden Elektroniker ermöglichen sich zurechtzufinden.

E) Störanfälligkeit
Wie bereits vorstehend angeklungen, sind unsere Orgeln fast ausschließlich mit diskreten (d.h. Einzelbauteilen) aufgebaut, im Gegensatz zu den üblichen Computerorgeln, bei denen der gesamte Funktionsablauf in wenigen hochintegrierten Bausteinen erfolgt.
Vergleicht man die Zahl der Halbleiterfunktionen bei beiden Ausführungen, so dürfte diese Zahl bei den integrierten Schaltungen sogar noch überwiegen, Wichtig ist jedoch, daß bei Ausfall eines Bauteils in unseren Orgeln nur eine begrenzte Störung auftritt, die den Gebrauch des Instrumentes kaum einschränkt, während bei den hochintegrierten Schaltkreisen (ähnlich wie bei einer Uhr), oft der Ausfall einer einzigen Funktion den gesamten Ablauf lahmlegt.
Wie gering sich z.B. der Ausfall eines Tonventils in unserer Kantata L auswirken würde, ergibt sich schon aus der Zahl von über 1200 Ventilen.
Auch die Tatsache, frei von hochintegrierten Bausteinen zu sein, ermöglicht einen weitgehend störungsfreien Betrieb. Darüber hinaus versetzt es uns in die Lage, dem Kunden äußerst günstige Kundendienstverträge anzubieten.

F) Bauteile
Wie aus der Computerbranche bekannt, erfolgt bei den hochintegrierten Bauteilen eine ständige Weiterentwicklung. Oft sind solche hochintegrierten Schaltungen schon nach wenigen Jahren nicht mehr greifbar. Hat dann die Firma., welche die Orgel hergestellt hat, kein Reservelager, oder sie existiert nicht mehr (ich habe allein in Deutschland schon 6 Orgelbaufirmen "überlebt"), so kann man bei einer Störung nur in seltenen Fällen und dann nur mit erheblichem Aufwand helfen. (U.a. hatten wir einen Fall bei einem Fremdfabrikat, wo wir für eine einzige ausgefallene Funktion eine eigene Baugruppe entwickeln und einbauen mußten).
Demgegenüber sind unsere Orgeln fast ausschließlich mit Grundbauelementen aufgebaut, wie Transistoren, Dioden, Widerständen, Spulen u. dergleichen. Soweit diese weiterentwickelt werden, so betrifft dies nicht deren Funktion, sondern meist die Erhöhung der zulässigen Betriebsspannung, oder deren Verkleinerung, was bei einem eventuellen Austausch ohne Belang ist. Die wenigen niedrig integrierten Schaltungen, die derzeit in unseren Orgeln Verwendung finden, sind keine Orgelbausteine, sondern werden in der Konsumelektronik verwendet.

G) Weitere Möglichkeiten
Der enorme Preisunterschied bei adäquatem Klangbild zwischen der Pfeifenorgel und unseren Orgeln der bis zu 15 zu 1 betragen kann, ermöglicht äußerst preiswerte Kombinationen zwischen Pfeifenwerken und unseren Werken. Hier können wir die Geschäftsverbindung zur Fa. Eisenschmid nutzen (u. a. hat mich der seinerzeitige Innungsobermeister, Herr Eisenschmid vor 30 Jahren aufgrund meiner Leistungen in die Handwerksrolle aufgenommen, obwohl ich keine entsprechende Lehre absolviert habe).
Beispielsweise muß man heute für ein gutes 10-registriges Pfeifenwerk DM 120.000 und mehr bezahlen. Ein weiteres elektronisches Werk von uns mit 12 Registern kostet ca. DM 10.000; dabei könnte der Erbauer der Pfeifenorgel den Aufbau ganz nach seinen Vorstellungen gestalten, denn für den elektronischen Teil benötigen wir lediglich je 1 Kontakt/Taste des Hauptwerkes für die Koppel, je 1 Kontakt für das Manual, welches für den elektronischen Teil vorgesehen ist und je 1 Kontakt pro Registerschalter.
Da unsere Orgeln, wie die Pfeifenorgeln, eine unterlineare Klangaddition besitzen, und das Klangbild von zahlreichen Orten, wie bei der Pfeifenorgel, differenziert abgestrahlt wird, bleibt das Gesamtklangbild durchsichtig und die Klangbilder verschmelzen, wie bei der Pfeifenorgel, im Raum und nicht im Lautsprecher. (vgl. >Wissenswertes).
Die geschilderten Kennzeichen, welche unsere Orgeln aufweisen, bedingen sehr viel zusätzliche Handarbeit, deren Kosten wir dadurch auffangen, daß wir unsere Orgeln nicht über Händler vertreiben, sondern direkt an den Kunden liefern, den wir auch danach zu ausgesprochen günstigen Bedingungen betreuen.

Adolf Michel







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